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Samstag, 28. August 2010

Mexikanerinnen in Rheinhessen - Teil 2

Das muss man sich mal vorstellen: Herr Zinn (ich habe ihn bereits im letzten Beitrag erwähnt) verließ seiner Zeit mit 19 Jahren die Schule um Medizin zu studieren. Das ist ja noch nichts ungewöhnliches.
Nach 3 Jahren promovierte er zum Doktor der Medizin und nach weiteren 6 Jahren erschien ein ausführliches Werk über das menschliche Auge. Seine Werke sollen noch heute zum Grundwissen eines jeden Medizinstudenten gehören.

Zwischendurch wurde er als Professor für Botanik (!) zum Direktor des Botanischen Gartens in Göttingen berufen. Dort beschrieb er u.v.a. auch die "Rudbeckia (siehe letzter Blog-Beitrag)" die sich später als "Zinnie" entpuppte.

Wahnsinn wenn man bedenkt, dass Herr Zinn in der Zeit von 1727-1759 lebte - da gab es noch keine empfindlichen Messgeräte und von Computern ahnte man auch noch nichts.
Und wenn ich richtig gerechnet habe ist Herr Zinn nur 32 (!) Jahre alt geworden.
Für die jungen Leute von heute beginnt in diesem Alter oft erst die Karriere ...

(gelesen habe ich das in: "Dahlia, Fuchsia, Gerbera - ein unterhaltsames Handbuch über Pflanzengattungen und ihre Namenspatrone. Von Wilhelm Müller"

Aber eigentlich wollte ich ja über Dahlien schreiben.

Zugegeben, sie gehörten lange Zeit nicht zu meinen Lieblingspflanzen. Ursprünglich kamen auch sie wie die Zinnien aus Mexiko und damit sie in unseren Breitengraden überleben, muss man ihre Knollen gleich nach dem 1. Frost aus der Erde nehmen, trocknen und im Keller überwintern.
Dahlie Osirium:


Dieser Pflegeaufwand war auch dem Garten-Kolumnisten Jürgen Dahl (+ 2001) äußerst lästig.
Eigentlich mochte er diese Pflanze nicht. Ihm wirkte die Blüte zu künstlich.
Zitat von Dahl: "Irgendwie sehen sie alle so aus, als wären sie aus Buntpapier maschinell erzeugt ...".
Dahlie Stephanie Härtl:

Trotzdem hat er sie aus Höflichkeit in seinen Garten gepflanzt, denn einige seiner Besucher brachten ihm Dahlien mit. Sie fanden, dass Dahlien unbedingt zu Herrn Dahl gehörten!

Irgendwann mochte er dann seine Knollenpflanzen doch noch, denn er hat herausgefunden, dass man mit den Blütenblättern einen - Zitat - "bunten, herb-würzigen, säuerlich-aromatischen Salat" bereiten kann. Dafür hat er die Blätter abgezupft und mit wenig Öl, Essig und Salz angemacht. Das Argument, dass es nicht fein ist Blüten zu essen, zerschlägt er mit dem Hinweis, dass man auch vom Broccoli und der Artischocke skrupellos die Knospen aufisst. Und schließlich würde man die Blüten des Holunders sogar in Pfannkuchenteig tauchen!

Gelesen habe ich das in "Nachrichten aus dem Garten, von Jürgen Dahl"
Dahlie Bishop of Llandaff:


Auch ich mache ab und zu einen Dahliensalat. Allerdings vermische ich die Blütenblätter mit grünem Salat. Das schmeckt und sieht gut aus.
Dahlie Natal:

Oder wie wäre es mit einer roten Blütenbutter:
Das Rezept:
250 weiche Butter, Blüte von 1-2 Dahlien, etwas Honigsenf, die Schale von 1/2 geraspelten Zitrone und 1 Msp. Salz (vorzugsweise Fleur de Sel).
Schön und lecker!
Unbekannte Dahlie:


Übrigens: In meinem Garten ist ein Dahliensämling in einen alten Gartenstuhl ohne Sitzfläche hineingewachsen. Jetzt hat dieses "Bishopskind" Halt.

Donnerstag, 12. August 2010

2 Mexikanerinnen in Rheinhessen - Teil 1

Einst wuchsen sie in den Gärten der Azteken.
"Planthunter" brachten sie in der Mitte des 18.Jh. nach Paris und schon wenig später wuchsen sie im Botanischen Garten von Göttingen. Der damalige Leiter des Institutes Prof. Dr. Zinn beschrieb sie in seinem Katalog und ordnete sie den Rudbeckien zu. Erst c. von Linné erkannte wenig später, dass die beschriebenen Pflanzen zu einer eigenen Gattung gehörten und nannte die Blume zu Ehren von Herrn Zinn:
Zinnia
Es gibt 17 verschiedene Arten der Zinnien, wovon heute nur noch 3 Arten in den Gärten kultiviert werden. Die wichtigste Art ist wohl die Schmuck-Zinnie (Z.elegans), eingeführt 1790. Zunächst blühten sie nur in Rot, später gesellten sich noch violette Blüten dazu. Da die Pflanze leicht vermehrbar ist, kamen schon bald andere Farben dazu.
Bereits 50 Jahren nach der Einführung der Pflanze aus Mexiko entwickelten sich durch Auslese und wahrscheinlich auch Einkreuzungen eine ganze Reihe neuer Farben, die im Handbuch einer Blumengärtnerei folgendermaßen beschrieben wurden:
weiß
gelb-weiß
hell- und dunkelgelb
goldgelb
orangefarben
hell- und dunkelscharlachrot
hell- und dunkelpurpurrot
camoissinrot
mennig- und zinnoberrot
violett und lilafarben

1856 entstand in Frankreich eine Form mit gefüllten Blüten *.

Und heute:

Sie sind ungefüllt, halbgefüllt, stark gefüllt

Sie sind getüpfelt und gestreift - immer wieder entstehen neue Varianten.

Lange, lange Zeit konnte ich diesen Schönheiten nichts abgewinnen. Sie standen im Garten meiner Mutter und ich hatte sie vergessen ... bis ich sie eines Tages im Bauerngarten einer alten Dame wiedersah. Es hat einige Zeit gedauert bis ich sie auch in meinem Garten haben wollte, denn man kann sie nicht so gut im Staudenbeet integrieren.
Dieses Jahr hatte ich die zündente Idee:
ich habe sie im Mai direkt im "Rote-Dahlien-Beet" ausgesät. Ich war ziemlich skeptisch ...

Doch das Experiment ist meiner Meinung nach gelungen.


Übrigens: den Samen von meinem Experiment haben mir Besucherinnen mitgebracht. Es waren 4 oder 5 ganz unterschiedliche Päckchen ihres eigenen Sammelsuriums.
Haben sie sich nicht gekonnt und harmonisch im Beet eingefügt?!

* Quelle: Kaiserkron und Paeonienrot, H.-D. Krausch

Donnerstag, 5. August 2010

Wenn die Kindel flügge werden - Sempsecke No. 13

Neulich im Garten habe ich es entdeckt:
die Sempskindel wollen sich wieder selbstständig machen. Überall hängen sie sich schon gefährlich weit über den Topfrand hinaus.


Besonders vorwitzige haben bereits tastend ihre dünnen Spinnenbeinchen ausgestreckt.


Jetzt heißt es:
Aufpassen!
Denn auch im Mutter-Kind-Quarier ...
quellen bereits die Töpfe über ...

Sempervivum: Schwarze Rose

Lott-Lott

Heighham Red

Bloddy Mary

Sha uri

... und einige Ausreißer sind schon dabei, es sich in fremden Nestern bequem machen zu wollen.
Nun ist im Quartier wieder die ordnende Hand gefragt, sonst gibt es bald ein heilloses Namen-Durcheinander.

Von August bis Anfang Oktober ist eine prima Zeit, Kindel von den Mutterpflanzen zu trennen und in die Selbstständigkeit zu entlassen. Richtig getopft und gut geschützt überstehen die Halbwüchsigen nach meinen Erfahrungen gut den kommenden Winter. Wo die Gefahr der Vermischung nicht so groß ist, kann man auch bis zum nächsten Frühling warten.
Und weil ich mir dachte, dass auch andere Sempsliebhaber volle Töpfe haben, habe ich mal nachgefragt.
Und tatsächlich: im hohen Norden von Deutschland fand ich jemanden, der seine Kindel in bekannter Art und Weise auf den Weg in den süden rollen - pardon - schicken wollte.
Längst sitzen die Reisenden wieder im eigenen Quartier und wachsen brav in:


Montag, 2. August 2010

Für schwache Nerven ...

... oder ein schwaches Herz, ist der folgende Beitrag nicht geeignet!!!

Letztens war das Fernsehen in unserem Garten.
Man wollte Garten-Schädlinge von mir sehen. Doch das Wetter meinte es in diesem Sommer recht gut mit uns und so blieben Blattläuse, Schnecken und Co. aus.
Sie waren bei uns im Garten bisher so gut wie kein Thema. Ganze 2 (!!!) Nackt-Schnecken, 3 Blattläuse und ein paar Dickmaulrüsslerbisse konnte wir dem Team am Mittwoch vor 10 Tagen präsentieren.

Und dann dies:
Heute morgen begab ich mich wieder auf meinen obligatorischen Gartenspaziergang. Ich war für ein paar Tage nicht zuhause und es hat inzwischenein öfters geregnet.
Als erstes fielen sie mir in den Tageten im Gemüsebeet auf.


Ein ganzes Bataillon von Nackt-Schnecken war wieder unterwegs.
Schnell holte ich mir einen Eimer und Handschuhe und fing an zu sammeln ... und sammeln... und sammeln ... Seht nur selbst die Bescherung:

Und bevor jetzt eine(r) fragt, was ich denn mit all den Schleimern mache ...
... ich mach's kurz ... :
ich überbrühe sie mit kochendem Wasser.
Gerne mache ich das nicht, aber keiner will meine gesammelten Werke haben!
Manche, so erzählte man mir, überstreuen sie mit Salz. Doch das Matyrium dauert mir zuuu lange und durchschneiden kann ich sie auch nicht.

Wenn das Wasser abgekühlt ist kommen sie auf den Kompost und werden mit Erde bedeckt.

PS: Während ich die Tiere sammele, zähle ich sie automatisch.
Bei 500 Stück habe ich mir heute gesagt: Schluss jetzt! Morgen ist auch noch ein Tag.

PSS: Wenn ihr Lust habt den Beitrag über Nützlinge und Schädlinge, u.a. auch in meinem Garten anzusehen, dann schaut dochmal heute abend ab 18.45 Uhr in die Landesschau im SWR-Fernsehen-Rheinland-Pfalz nach.

Schädlinge im Garten - Video siehe oben links.